Krebs - und jetzt?

Unverhoffter kleiner (scheinbarer) Glücksmoment

Heute Morgen bekam ich gegen halb zehn meine gewohnte SMS von Daniel, es klang so, als würde heute ein "guter Tag" sein. Davon beruhigt fuhr ich wie abgesprochen zu meinen Eltern zum Frühstück. Gegen halb eins war ich dann im Krankenhaus. Daniel sah besser aus als gestern, eigentlich sogar richtig gut. Auch seine Stimmung war bedeutend besser. Und schnell kam es zu Sprache, dass er ja fragen könne, ob er heute beurlaubt wird, d. h., ob er nach Hause kann. Beurlaubt, ein komisches Wort dafür, so wie ich finde. Und tatsächlich, die Leukos sind zwar weiter gesunken, sie sind jetzt auf 3,3 (normal wären 4,8 bis 10,8), aber Daniel darf trotzdem für eine Nacht nach Hause. Ich freute mich sehr. Besonders, weil ich nach dem stetigen Sinken der Leukos nicht mehr damit gerechnet hatte. Meine Eltern sollten uns abholen und als wir unten warteten, traf ich den älteren Herren von gestern wieder. Heute schien er etwas Trost zu brauchen und so war ich es heute, die ihm über die Schulter strich und gut zuredete. Ich hoffe, dass ihm das Gespräch etwas geholfen hat, so wie es mir gestern half. Nun sind wir also Zuhause. Und um ehrlich zu sein, weiß ich gerade leider nicht, was ich davon halten soll. Er scheint relativ schwach zu sein und sogar das Treppensteigen strengt ihn an. Klar, ich hatte davon gelesen, dass das mögliche Nebenwirkungen sind, aber genauso schnell wie ich es gelesen hatte, habe ich es auch wieder von mir weggeschoben. Im Verdrängen bin ich nämlich im Moment auch nicht die Schlechteste. Das ist eine nicht so optimale Mischung, verdrängen bis es nicht mehr wegzudiskutieren ist und dann zehn Mal zu viel darüber nachdenken und viel zu viele Gedanken machen... Ich hoffe, dass es die richtige Entscheidung war und dass ihn dieser kleine Ausflug nach Hause nicht zu sehr anstrengt und womöglich kontraproduktiv ist. Als er das letzte Mal einen tag während der Therapie Zuhause war, war es, als ob nichts gewesen wäre. Dieses Glück wird uns wohl dieses Mal verwehrt bleiben. Trotzdem denke ich, dass es ihm und mir gut tun wird. So, jetzt erstmal genug für heute, immerhin möchte ich ja die paar Stunden genießen.

6.4.14 16:56

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