Krebs - und jetzt?

Mein "freier" Tag

Der Abend gestern war gar nicht so schlimm wie anfangs befürchtet. Er brauchte wohl nur ein bisschen Zeit um sich wieder einzugewöhnen und vom Krankenhausalltag runterzukommen. Er sagte zwischendurch sogar, dass er sich nur wie ein Besucher fühlen würde. Das war ein komisches Gefühl für mich. Ich hatte mir letzte Woche für heute Urlaub genommen. Ich wollte nach der ganzen Zeit einfach was für mich machen, etwas, das mir gut tun wird. >Friseur, Maniküre oder irgendwie sowas. War ja nett gedacht ;-) Ich fuhr heute morgen um halb neun mit Daniel ins Krankenhaus und war dann bis elf da. Denn heute war ja wieder Chemo angesetzt. Danach war ich mit meinem Dad unterwegs und wollte Blumen kaufen. Jaaaahaaa, ich und Blumen, man glaubt es kaum. Ich Naivchen dachte, da gehst du in den Laden rein, gehst wieder raus und hast Blumen. Aber nein, was für einen Kasten, welche Befestigungen, Hängerchen oder was auch immer. im Endeffekt kauften wir erstmal nur die Kästen und später zog ich mit Mama los, um die Blumen auszusuchen und die Erde zu kaufen. Zwischendurch war ich noch mit Finchen (unserem Hamster) beim Tierarzt. Unser Balkon war dann gegen 17:00 Uhr fertig und sieht auch endlich mal gut aus. Daniel ist zwischenzeitlich nach Hause gekommen und hat gesagt, dass er gleich grillen wollen würde. Ich, die sich eigentlich gedacht hatte, dass nach dem anstrengenden Tag etwas bestellt wird, sprintete also mit Mama los und wir kauften schnell alles Mögliche für das Grillen ein. Ich bin ja froh, wenn er im Moment was essen möchte und dann bekommt er auch, was immer er will. Hauptsache er isst. Daniel muss morgen wieder ins Krankenhaus zur Blutabnahme und irgendwie überwiegt die Einschätzung bei uns allen, dass er morgen nicht nach Hause kommen wird, weil die Leukos soweit unten sind. Wahrscheinlich haben sie ihn auch heute nur gehen lassen, weil der Noro-Virus auf der Station sein Unwesen treibt. War ja auch klar, dass sowas noch dazu kommt. Ich hoffe wirklich, dass er sich nicht ansteckt. Aber wenn die Werte weiter sinken, werden sie ihn wohl wieder in die Isolation stecken, aber da möchte ich momentan wirklich nicht dran denken. Nachdem ich heute zig Mal gehört hab: Kind, gönn dir jetzt mal eine Pause. Nehme ich sie mir jetzt auch wirklich und mache mal eine halbe Stunde einfach nichts. Vielleicht schaffe ich es ja auch ein bisschen zu schlafen. Aber wer weiß, was ich dann wieder für einen Mist träume.. Und grillen wird Daniel. Juuuhuu, ein bisschen Normalität

7.4.14 17:53, kommentieren

Unverhoffter kleiner (scheinbarer) Glücksmoment

Heute Morgen bekam ich gegen halb zehn meine gewohnte SMS von Daniel, es klang so, als würde heute ein "guter Tag" sein. Davon beruhigt fuhr ich wie abgesprochen zu meinen Eltern zum Frühstück. Gegen halb eins war ich dann im Krankenhaus. Daniel sah besser aus als gestern, eigentlich sogar richtig gut. Auch seine Stimmung war bedeutend besser. Und schnell kam es zu Sprache, dass er ja fragen könne, ob er heute beurlaubt wird, d. h., ob er nach Hause kann. Beurlaubt, ein komisches Wort dafür, so wie ich finde. Und tatsächlich, die Leukos sind zwar weiter gesunken, sie sind jetzt auf 3,3 (normal wären 4,8 bis 10,8), aber Daniel darf trotzdem für eine Nacht nach Hause. Ich freute mich sehr. Besonders, weil ich nach dem stetigen Sinken der Leukos nicht mehr damit gerechnet hatte. Meine Eltern sollten uns abholen und als wir unten warteten, traf ich den älteren Herren von gestern wieder. Heute schien er etwas Trost zu brauchen und so war ich es heute, die ihm über die Schulter strich und gut zuredete. Ich hoffe, dass ihm das Gespräch etwas geholfen hat, so wie es mir gestern half. Nun sind wir also Zuhause. Und um ehrlich zu sein, weiß ich gerade leider nicht, was ich davon halten soll. Er scheint relativ schwach zu sein und sogar das Treppensteigen strengt ihn an. Klar, ich hatte davon gelesen, dass das mögliche Nebenwirkungen sind, aber genauso schnell wie ich es gelesen hatte, habe ich es auch wieder von mir weggeschoben. Im Verdrängen bin ich nämlich im Moment auch nicht die Schlechteste. Das ist eine nicht so optimale Mischung, verdrängen bis es nicht mehr wegzudiskutieren ist und dann zehn Mal zu viel darüber nachdenken und viel zu viele Gedanken machen... Ich hoffe, dass es die richtige Entscheidung war und dass ihn dieser kleine Ausflug nach Hause nicht zu sehr anstrengt und womöglich kontraproduktiv ist. Als er das letzte Mal einen tag während der Therapie Zuhause war, war es, als ob nichts gewesen wäre. Dieses Glück wird uns wohl dieses Mal verwehrt bleiben. Trotzdem denke ich, dass es ihm und mir gut tun wird. So, jetzt erstmal genug für heute, immerhin möchte ich ja die paar Stunden genießen.

6.4.14 16:56, kommentieren